Auflieferungen "unter Umschlag"

Auflieferungen "unter Umschlag"

Beitragvon Alfred » 31. Mai 2009, 22:52

Wie war das eigentlich … :?
Im Forum „Südamerikafahrt 1930“ habe ich im Beitrag „Sieger schweigt sich aus“ einen seltenen Danziger Brief mit Condor-Zusazufrankatur gezeigt. Meine Frage nach dem richtigen Porto – das der Absender offenbar nicht kannte – wurde von „Zeppelin“ einigermaßen (entschuldige bitte, aber ich habe nicht alles verstanden :oops: ..) beantwortet.
Relativ klar ist mir, dass das in den Niederlanden und Österreich zusätzlich zum Luftschiff-Tarif erforderliche „Normalporto“ für die Weiterleitung der Poststücke nach dem Luftschiff-Transport anfiel: zumindest bei den österreichischen Belegen mit österreichischen Adressen wurde nur Inlandsporto frankiert. Demnach war auch in diesen Ländern die Beförderung zum Luftschiffhafen in Friedrichshafen im Preis enthalten (?) :?:
Fakt ist, dass der Absender nicht aus Danzig sondern aus der schönen Kurpfalz stammt und den Brief ganz sicher nicht selbst in ein Danziger Postamt zur Entwertung gebracht hat. Als Beweis hierfür kann ich anführen, dass er gleichzeitig auch Briefe aus der Schweiz und Friedrichshafen an die Adresse in Floranopolis geschickt hat. :D
Nach meinem Verständnis hat er sich die benötigten Marken bei seinem Heidelberger oder Mannheimer Briefmarkenhändler beschafft – der glücklicherweise kenntnisreich genug war, auch die Condor-Marken anbieten zu können –, hat sie auf seine vorbereiteten Couverts geklebt und sie unter Umschlag nach Danzig, nach Romanshorn, nach Triesenberg (?), Wien (?) ... und Friedrichshafen geschickt bzw. schicken lassen.
Wohin da eigentlich? Genaue Informationen diesbezüglich sind mir nur von Friedrichshafen bekannt – ich kann in diesem Zusammenhang einen solchen „Umschlag“ zeigen. Woher wussten die Sammler oder zumindest die Briefmarkenhändler, wie solche Zuleitungspost-Aufträge abgewickelt werden konnten? Oder war dies vielleicht eine Domäne der großen Versandhändler wie Sieger oder Behrens, die ihre Agenten in den einzelnen Vertragsstaaten hatten?
Viele Grüße
Alfred
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Re: Auflieferungen "unter Umschlag"

Beitragvon Concordia CA » 1. Jun 2009, 00:03

Ich habe ein Beispiel, wie es bei der Schleuderflugpost lief. Es handelt sich um eine Anzeige, die Kurt Kayssner in seinem 1933 veröffentlichten"Großen Deutschen Schleuderflug-Katalog" stehen hatte. In den USA gab es in Brooklyn, New York Alfred Klimpel, ein Mitglied der Internationalen Sammlervereinigung Concordia, der die Abwicklung dort übernommen hat.

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Re: Auflieferungen "unter Umschlag"

Beitragvon Zeppelin » 1. Jun 2009, 10:03

Mal wieder ein interessantes Theman, das Alfred hier angeschnitten hat!

Ich denke, das Thema ist so umfangreich und noch so wenig erforscht, dass wir hierzu nicht nur noch einige direkte Antworten zu Alfred´s Frage erhalten werden, sondern auch insgesammt zu dem Thema "Auflieferungen" noch sehr viel zu diskutieren haben. Wir wissen sicherlich viel zur eigentlichen Luftschiffbeförderung, aber wie erstmal die Post zum Luftschiff kam, ist noch weitgehend unerforscht und unbekannt.

Aus diesem Grund habe ich dieses neue Forum eingerichtet: ALLGEMEINES ZU AUFLIEFERUNGEN

Und Alfred´s Beitrag habe ich gleich mal hier hinein verschoben. Und weiter gehts hier mit diesem interessanten Thema....
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Re: Auflieferungen "unter Umschlag"

Beitragvon Zeppelin » 1. Jun 2009, 10:25

Manche Briefmarkenzeitungen hatten damals auch einfach die Amtsblätter als einen redaktionellen Beitrag wiedergegeben. Von meinem Spezialgebiet der Orientfahrt kann ich so etwas vorlegen:
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Die Informationsbeschaffung war also damals schon recht gut organisiert. Auch wenn wie hier im Beispiel die Ankündigung etwas verspätet kam, im Allgemeinen aber funktinierte das Timing besser. Ich denke, ähnliches wurde auch in den jeweiligen anderen Ländern praktiziert, so dass es jetzt nur noch der jeweiligen ausländischen Frankaturen bedurfte. Die konnte man sich über Antwortscheine oder über einen Tauschpartner im jeweiligen Land besorgen.
So stelle ich mir das jedenfalls für Einzelauflieferungen vor. Der große Versandhandel war sicherlich besser organisiert.
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Re: Auflieferungen "unter Umschlag"

Beitragvon Concordia CA » 1. Jun 2009, 11:27

In der Sammlerzeitschrift "Die kleine Concordia-Post" aus dem Jahr 1931 ist genau beschrieben, wie man vorgehen sollte, um an Zeppelin-Belege zu kommen.
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Re: Auflieferungen "unter Umschlag"

Beitragvon Alfred » 1. Jun 2009, 18:20

Zeppelin hat geschrieben:Die Informationsbeschaffung war also damals schon recht gut organisiert. Auch wenn wie hier im Beispiel die Ankündigung etwas verspätet kam, im Allgemeinen aber funktinierte das Timing besser. Ich denke, ähnliches wurde auch in den jeweiligen anderen Ländern praktiziert, so dass es jetzt nur noch der jeweiligen ausländischen Frankaturen bedurfte. Die konnte man sich über Antwortscheine oder über einen Tauschpartner im jeweiligen Land besorgen.
So stelle ich mir das jedenfalls für Einzelauflieferungen vor. Der große Versandhandel war sicherlich besser organisiert.

Etwas verspätet trifft die Sache: "Wenn es doch Tag gewesen wäre" ..... Klar, dass nicht immer so viel schiefgehen konnte wie bei Deiner Lieblingsfahrt!
Aber mit dem "Tauschpartner" bin ich nicht ganz zufrieden: ich denke wieder an meinen Dr. Lehmann in Edingen, der - wie viele andere auch - bekanntlich sein eigenes Briefpapier verwendete. Anliegend füge ich einen "Beweis" an, dass er sicher nicht seine Post selbst in den einzelnen Vertragsstaaten in den Briefkasten einwarf. :? Ich denke, er blieb zuhause und therapierte fleißig (Privat-) Patienten, um sich sein teueres Hobby leisten zu können. :) Natürlich kanst Du Recht haben, dass er überall seine Sammlerfreunde hatte, denen er seine fertig frankierten Briefe unter Umschlag zuschicken konnte (die Marken hat er sich bei seinem lokalen Briefmarkenhändler gekauft - daran glaube ich fest). Aber ich halte es für sehr viel wahrscheinlicher, dass es professionelle Kommissionäre gab, die ihre Dienste in der Fachpresse angeboten haben. Aber es ist natürlich erstaunlich, dass davon nichts mehr erhalten ist. Übrigens: vermutlich gab es im Mai 1930 eine solche Kontaktadresse in Ungarn noch nicht; deshalb sind die Ungarn-Belege der SAF 1930 so selten. (?) :?:
Mir fällt zu dem Thema noch mehr ein: Du hast Recht, Zeppelin, das könnte ein längerer Thread werden ...
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Re: Auflieferungen "unter Umschlag"

Beitragvon Alfred » 1. Jun 2009, 19:17

Ein wichtiges Indiz für die Annahme, dass es in den Vertragsstaaten offiziell bekannt gemachte Zuleitungsadressen für Zeppelinpost gab, fällt mir noch ein: es sind eigentlich überwiegend die gleichen Aufgabe-Postämter, die auf meinen Zuleitungsbelegen der SAF 1930 zu finden sind: „Saarbrücken (Bhf.)“ aus dem Saargebiet, „Danzig 5 Luftpost“ aus Danzig, „Romanshorn 1“ aus der Schweiz, „Triesenberg“ (auch: „Vaduz IX“) aus Liechtenstein „1/1 Wien 1“ (auch: Innsbruck) aus Österreich, lediglich aus den Niederlanden variieren die Aufgabepostämter stärker; bei Ungarn fehlt mir die notwendige Belegbasis: meine beiden hier schon gezeigten Karten stammen von unterschiedlichen Budapester Postämtern.
Aus Österreich kann ich eine Reihe von Briefzetteln zeigen: die eingegangenen Poststücke wurden nach ihren Zielorten vorsortiert, gezählt und zu Bündeln gepackt, die mit den Briefzetteln „beschriftet“ wurden. Wie in Österreich gab es sicher auch in den meisten anderen Vertragsstaaten bestimmte Postämter, die als Sammelstellen für Zeppelinpost fungierten - und die wurden doch sicher bekannt gemacht. Unklar ist mir allerdings die Situation in den Niederlanden, wo offensichtlich die für die Luftschiffbeförderung bestimmte Post in jeden Briefkasten eingeworfen werden konnte und ohne zusätzliche Portokosten nach Friedrichshafen befördert wurde. Hier – Zeppelin – glaube ich an Deine These mit den Tauschpartnern, von denen die Aufgabe besorgt werden konnte.
Alfred
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Re: Auflieferungen "unter Umschlag"

Beitragvon Zeppelin » 12. Jun 2009, 18:31

Roland F. Kohl hat in seinem grandiosen Luftpostkatalog von Österreich (Die Flugpost von Österreich) zwar die Verfügungen der Österreichischen Post abgedruckt, allerdings nur diejenigen, die die Flugpost betrafen. Diejenigen Verfügungen, die die Zeppelinpost betrafen, hat er sicherlich in Händen gehabt, er hat sie uns aber leider nicht im original Wortlaut abgedruckt. Schade eigentlich, damit fehlt dem Handbuch für das Kapitel der Zeppelinpost von Österreich ein wichtiger Teil, nämlich die Postgeschichte.
Deine Frage für die Auflieferungspostämter ab Österreich kann ich Dir damit nicht beantworten.
Der holländische Luftpostkatalog Luchtvaart en Luchtpost encyclopedie deel 1 von TSchroots hingegen hat alle Verfügungen im Wortlaut abgedruckt. Dort kannst Du alles nachlesen, was die holländische Post zum Thema Flug- und Zeppelinpost veröffentlicht hat. Dazu solltest Du aber vielleicht noch schnell holländisch lernen, oder im Sommer in Holland Urlaub machen und den Nachtportier mit den Übersetzungen der holländischen Verfügungen wach halten...... :lol:
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Re: Auflieferungen "unter Umschlag"

Beitragvon Alfred » 25. Jun 2009, 21:24

Zeppelin hat geschrieben:Der holländische Luftpostkatalog Luchtvaart en Luchtpost encyclopedie deel 1 von TSchroots hingegen hat alle Verfügungen im Wortlaut abgedruckt. Dort kannst Du alles nachlesen, was die holländische Post zum Thema Flug- und Zeppelinpost veröffentlicht hat. Dazu solltest Du aber vielleicht noch schnell holländisch lernen, oder im Sommer in Holland Urlaub machen und den Nachtportier mit den Übersetzungen der holländischen Verfügungen wach halten...... :lol:

Hallo Zeppelin!
Wer braucht schon einen Nachtportier, wenn er gute Freunde hat!
Eine wichtige Stelle der holländischen Verordnungen zu unserem Thema "wie kamen die Holländer nach Friedrichshafen ?" hat mir vor einiger zeit schon ein Freund übersetzt; ich gehe davon aus, dass ich ihn auch ungenannt zitieren darf:

"Das holländische Amtsblatt der PTT schreibt folgendes:
de correspondentie moet nadat de zegel door middel van een dagtekenstempel van het kantoor van afzending onbruikbaar zijn gemaakt door dit kantoor onder omslag, voorzien van de aanwijzing....
Was ungefähr übersetzt heißt, dass der Absender bei jedem Postamt seine Zeppelinpost aufliefern konnte, das Auflieferungspostamt hat dann die Marken gestempelt und die Post gemäß Versandanweisung unter Umschlag weitergeleitet. Die Versandanweisung war Zeppelinpost für Amsterdam Central Station."

Es war also etwas anders als in Deutschland: der Transport vom beliebigen Aufgabepostamt bis nach Friedrichshafen erfolgte seitens der holländischen PPT, der Umschlag an die Amsterdamer Adresse musste nicht wie bei uns vom Absender frankiert werden. Aber genau genommen trug die Portokosten nicht die PPT: das Normalporto für Briefe von 12,5 cent - für Karten 7,5 cent - musste auf dem zur Luftschiffbeförderung vorgesehenen Beleg hinzufrankiert werden.
Auch wenn es hier Parallelen zu den österreichischen Zulieferungen gibt - wie in den Niederlanden war auch hier das normale Brief- bzw. Kartenporto zusätzlich zu frankieren - heißt das nicht unbedingt, dass es hier ähnlich gehandhabt wurde: die österreichische Post differenzierte zwischen Inlands- und Auslandstarifen, abhängig davon, wohin die Poststücke nach dem Luftschifftransport zu speditieren waren. Es war also kein Entgelt für den Transport nach Friedrichshafen. (Dass demzufolge für einen nach USA adressierten Brief 40 Groschen Auslandsporto zusätzlich zu frankieren waren, hat natürlich einen besonderen - österreichischen - Charme!)
Eine sicher seltene Ausnahme von der für Österreich vermuteten Regel - Innsbruck oder Wien als zentrale Anlaufstellen - kann ich zeigen; ich denke, der Scan passt einigermaßen zum Thema ..
Viele Grüße
Alfred
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