Chicago-Fahrt Auflieferung Berlin

Chicago-Fahrt Auflieferung Berlin

Beitragvon lebenslauf » 15. Apr 2009, 12:31

Brief bis 10 Gramm, Einschreiben , nach Bolivien - Sieger-Nr. 238 E -

richtiges Porto 3,05 RM:
Auslandsbrief bis Rio 0,25 RM
Einschreiben 0,30 RM
Zeppelinporto bis Rio 2.Gewichtsstufe 2 x 1,25 RM bis Brasilien= 2,50 RM
-die Flugpostgebühr bis Bolivien ist im Zeppelinporto enthalten-

Der Brief wurde in Frankfurt mit frankierten 2,05 RM aufgeliefert und am 11.10.33 gestempelt.
Zwei Tage Später wurde in Berlin die fehlende 1,00 RM nachfrankiert und am 14.10.33 entwertet.
Die in Berlin nachfrankierte 1,00 RM wurde in Frankfurt vom Absender durch den Briefträger eingezogen.

Gruß lebenslauf
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Re: Chicago-Fahrt Auflieferung Berlin

Beitragvon Zeppelin » 15. Apr 2009, 19:32

ich mache mal eine andere Rechnung auf, denn gemäß Leitvermerk war der Brief vorgesehen für die Etappe bis Chicago. Und demnach errechnet sich meiner Meinung nach folgendes Porto:

Auslandsporto bis Bolivien: 25 Pfg
Einschreiben: 30 Pfg
Zeppelinporto bis Chicago, 1. Gewichtsstufe: 2,50 RM
Total also 3,05 RM, demnach 1 RM unterfrankiert und nachfrankiert.

Ich wette, rückseitig befindet sich nicht nur der Dreicksstempel, sondern auch ein Transitstempel von Chicago........ ;)
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Re: Chicago-Fahrt Auflieferung Berlin

Beitragvon lebenslauf » 15. Apr 2009, 20:06

nix Dreieckstempel und
nix Durchgangsstempel von Chicago.
Der Brief ist mit dem normalen Südamerikaporto in der 2. Gewichtsstufe versandt worden und hat rückseitig nur den bolivianischen Ankunftsstempel.

Den Wettgewinn löse ich in Essen ein!

Schönen Abend, Gruß lebenslauf
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Re: Chicago-Fahrt Auflieferung Berlin

Beitragvon Zeppelin » 15. Apr 2009, 22:38

wenn der Brief in der 2. Gewichtsstufe bis Rio gelaufen wäre, hätte er nicht 2,50 RM (1,25 RM pro 5 Gramm) Zeppelinporto gekostet, sondern 3 RM (1,50 RM pro 5 Gramm): Denn der Brief ist nach Bolivien adressiert! Nur nach Brasilien adressierte Zeppelinpost hätte 2,50 RM in der 2. Gewichtsstufe gekostet. Und alles, was über Brasilien hinaus geht, hätte 3 RM gekostet.

Zudem weise ich nochmals auf den Leitvermerk hin: Da steht nix von Brasilien, sondern da steht "Mit Luftschiff Graf Zeppelin.... Friedrichshafen-Chicago". Und dafür stimmt das Porto von 3,05 RM, allerdings nur in der 1. Gewichtsstufe.
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Re: Chicago-Fahrt Auflieferung Berlin

Beitragvon lebenslauf » 16. Apr 2009, 15:24

Danke, hast recht,
wieder nix mit "Wette einlösen" in Essen.
Gruß lebenslauf
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Re: Chicago-Fahrt Auflieferung Berlin

Beitragvon Zeppelin » 17. Apr 2009, 09:28

je länger man sich den Brief betrachtet, desto interessanter wird er!

Auflieferung Frankfurt:
eigentlich ist der mit 2,05 RM frankierte, nach Bolivien adressierte und in Frankfurt aufgelieferte Brief portorichtig Frankiert:
25 Pfg Auslandsbrief
30 Pfg Einschreiben
1,50 RM Zeppelinzuschlag für Sendungen über Brasilien hinaus (Bolivien)
= 2,05 RM

Nur warum dazu vom Absender der Leitvermerk Friedrichshafen-Chicago-Friedrichshafen angebracht wurde, ist nicht verständlich, denn eigentlich hätte der Brief ja nur bis Recife gehen sollen, um von dort mit der Condor über Rio nach Bolivien weiterbefördert zu werden.
Theoretisch hätte der Absender auch eine komplette Rundfahrt Friedrichshafen-Südamerika-Nordamerika-Friedrichshafen verlangen können, der Brief wäre dann nach der Landung in Friedrichshafen auf gewöhnlichem Weg nach Bolivien gesandt worden, doch dafür wären 4,30 RM Porto notwendig gewesen:
25 Pfg Auslandsbrief
30 Pfg Einschreiben
3,75 RM Zeppelinzuschlag für Sendungen auf der Rundfahrt
= 4,30 RM


Postamt Berlin:
Nicht ganz klar ist, warum der Brief trotz dem Leitvermerk nicht direkt von Frankfurt nach Friedrichshafen gesandt wurde, sondern erst nach Berlin. Der Brief wurde 4 Tage vor der Abfahrt der Chicagofahrt in Frankfurt aufgeliefert, demnach spielte der Zeit-Faktor keine Rolle.
Wie dem auch sei, in Berlin wurde jedenfalls der Brief mit 1 RM nachfrankiert und diese 1 RM dann vom Frankfurter Absender eingezogen. Das Postamt Berlin hat mit dieser Aktion den eigentlich für Südamerika portorichtig frankierten Brief quasi umdirigiert. Denn das Berliner Postamt hat nicht nur die 1 RM auffrankiert, das Berliner Postamt hat auch den Leitvermerk verändert: Durch das Durchstreichen des Wortes Friedrichshafen bestand der Leitvermerk jetzt nur noch aus der Etappe Friedrichshafen-Chicago. Und hierfür waren eben noch die 1 RM Nachfrankatur notwendig:
25 Pfg Auslandsbrief
30 Pfg Einschreiben
2,50 RM Zeppelinzuschlag für Sendungen bis USA
= 3,05 RM

Während sich das Postamt Frankfurt nur am Porto und an der Adresse (Bolivien) orientierte, war für die Berliner Postbeamten nur der Leitvermerk maßgeblich. Und gemäß dem Leitvermerk Friedrichshafen-Chicago-Friedrichshafen hätten 4,30 RM verklebt sein müssen, der Brief war demanch 2,25 RM unterfrankiert. Nun aber zeigte sich das Berliner Postamt von seiner kulanten Seite und änderte den Leitvermerk ab: Statt zurück nach Friedrichshafen sollte er jetzt mit dem Zeppelin nur bis Chicago gehen (Chicago-Bolivien dann mit normaler Post). Und für eine Zeppelinbeförderung bis Chicago war der Brief auch "nur" noch 1 RM unterfrankiert (statt 2,25 RM bis Friedrichshafen). Diese 1 RM wurde vom Berliner Postamt aufgeklebt und wie gesagt dann vom Frankfurter Absender eingezogen.

Es ist schon merkwürdig unverständlich: Wenn die Berliner Postbeamten schon den Leitvermerk von Friedrichshafen-Friedrichshafen auf Friedrichshafen-Chicago verändern, warum ändern sie ihn dann nicht gleich auf Friedrichshafen-Südamerika um? Denn dafür war der Brief ja portorichtig frankiert......

Postamt Friedrichshafen:
Nach dem Anschlußflug von Berlin kam der Brief dann nach Friedrichshafen. Was hier letztlich passierte, ist der absolute Knüller. Denn das Friedrichshafener Postamt ignorierte den Leitvermerk (bis Chicago) und auch das Porto von insgesamt 3,05 RM, mit dem der Brief portorichtig für die Zeppelinbeförderung bis USA frankiert gewesen wäre.
Statt dessen steckte das Postamt Friedrichshafen den Brief in den Postsack mit der Südamerikapost. Auf der Chicagofahrt wurde der Brief dann von Friedrichshafen bis Recife befördert, von dort übernahm die Condor den Weitertransport bis Rio, eine andere Condor-Linie flog den Brief dann von Rio aus nach Puerto Suarez an die brasilianisch/bolivianische Grenze, den Weitertransport nach Cochabamba führte die LAB (Lloyd Aereo Boliviano) durch.

Die ganze Nachgebührerhebung von Berlin war damit umsonst, der Absender bazahlte letztlich etwas, was er gar nicht erhielt. Ein Paradebeispiel deutsch-preußischer Bürokratie!
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Re: Chicago-Fahrt Auflieferung Berlin

Beitragvon lebenslauf » 17. Apr 2009, 12:20

zeppelin
je länger man sich den Brief betrachtet, desto interessanter wird er!


da hast Du recht, aber nun hast Du sein Geheimnis gelüftet,
vielen Dank für Deine Fleißarbeit,
so hat sich der Brief noch zu einem hochinteressanten Beleg der Zeppelin-Postgeschichte gemausert,
danke Dir nochmal
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Re: Chicago-Fahrt Auflieferung Berlin

Beitragvon Zeppelin » 17. Apr 2009, 19:59

ich danke auch Dir, denn Du hast ja das Thema begonnen und diesen tollen Beleg eingestellt - weiter so!
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